Von der Bürgerinitative zur Genossenschaft

"Wir ziehen hier nicht aus!"
Der Kampf der Bürgerinitiative Rheinpreußensiedlung um den Erhalt ihrer Wohnungen.

In den sechziger Jahren dieses Jahrhunderts erlebten wir das "große Zechensterben". Kleine, unrentable Zechen wurden geschlossen und viele Bergleute entlassen.
Zur Lösung dieser Krise wurde im Jahre 1969 die Ruhrkohle AG gegründet. In dieses Unternehmen brachten die alten Zechengesellschaften ihre Zechen ein, während die Zechensiedlungen in ihrem Besitz blieben. Diese Siedlungen verramschten sie an Spekulanten.
Überall im Ruhrgebiet griffen Bauspekulanten zu, um mit "großzügiger Flächensanierung" Profite machen zu können. Konkret hieß das: Abriß der Siedlungen und Neubau von Hochhäusern, die mehr Miete einbrachten.
Siedlungsbewohner verloren ihre Wohnungen, in denen viele von ihnen von Geburt an lebten. Das vertraute Umfeld und jahrzehntealte Nachbarschaften wurden zerstört.

Stirbt Rheinpreußen?

Der Bauspekulant Kun, der als Kind selbst in der Rheinpreußensiedlung gelebt hatte, kaufte die Siedlung auf und ließ bis 1968 etwa 1.200 Wohnungen abreißen. An deren Stelle ließ er Hochhäuser mit bis zu zwanzig Stockwerken errichten.
Kun, der den Kauf weiterer Siedlungen und den Neubau von Wohnungen über Kredite finanziert hatte, war 1973 mit fast 700 Mio. DM verschuldet und ging pleite.
Den Gläubigerbanken, die ihr Geld wiederhaben wollten, war kein Konzept zu schäbig. Die BHF-Bank forderte zum Beispiel: Die Bewohner müssen aus ihren Wohnungen raus, die restlichen 600 Wohnungen werden abgerissen, an ihre Stelle sollen Bungalows für Besserverdienende errichtet werden.
Menschenverachtend gingen sogenannte Experten mit den Bedürfnissen der Bevölkerung um. Denn sie forderten in einem Gutachten: Ja, Abriß der Häuser, aber "die wertvolle Baumsubstanz müsse erhalten" bleiben.
Als dieser Plan im Mai 1975 bekannt wurde, gründeten die Bewohnerinnen und Bewohner eine Bürgerinitiative, um den Abriß ihrer Häuser zu verhindern und die Wohnungen als Mietwohnungen zu erhalten.

Rheinpreußen lebt !
Wir führten in der Bürgerinitiative viele Aktionen durch, und es ging dabei zu wie beim Rennen zwischen Hase und Igel:
Wer war schneller?
- Waren es die Gläubigerbank, der Konkursverwalter und die Bezirkspolitiker, die die Mieter rausklagen, die Wohnungen vergammeln und abreißen lassen wollten?
- Oder waren wir es, die immer mehr Druck auf Politiker und die Öffentlichkeit ausüben mußten, um sie für unsere Interessen wachzurütteln?
Beispiele für unsere Aktionen waren:
• Versammlungen zur Information der Duisburger Bevölkerung
• Demonstrationen im Stadtteil und in der Duisburger Innenstadt
• Mahnwachen
• Besetzung einer verwahrlosten und zum Abriß bestimmten Wohnung. Diese wurde von vielen Nachbarn an einem Wochenende renoviert und mit einer großen Familie belegt.
• Blockade eines Abrißbaggers
• Drei Hungerstreiks: Zwei Hungerstreiks vor dem Duisburger Rathaus, einen vor der Gläubigerbank BHF in Frankfurt.